Culture

Shakespeare, Schnitzler und ChatGPT – Die Zukunft des Theaters

Bild erstellt mit Microsoft Bing Image Creator „Ein Bild von Shakespeares Theaterstück, das durch KI neu gestaltet wurde im modernen Stil” Julia Schuster, 31.10.2023,16:15h

Vorhang auf! - Shakespeare und Schnitzler treffen auf die künstliche Intelligenz: Eine Möglichkeit sich der Zukunft des Theaters anzunähern. Der Artikel möchte mögliche Aussichten für Klassiker wie "Romeo und Julia" und "Der Reigen" aufdecken und optionale Interpretationen mit KI modellieren.

von Melanie Nebenführ & Julia Schuster

Das Burgtheater in Wien wurde vor rund 250 Jahren von einem prunkvollen Ballsaal zu einem Theater umfunktioniert. Seither werden dort verschiedenste Werke aus unterschiedlichen Epochen aufgeführt. Dabei wird besonders darauf geachtet, die Klassiker zeitgemäß zu präsentieren. Auch für das Theater spielen digitale Technologien eine Rolle. Seit einigen Jahren wird beispielsweise künstliche Intelligenz ein immer größerer Teil des Alltags, nicht nur bei jedem Einzelnen, sondern auch in den verschiedenen Branchen. Es scheint, als hätte diese Entwicklung nun auch die Welt des Theaters erreicht.

KI im Theater: Eine Revolution der Darstellenden Künste

So berichtete Simon Meusburger darüber, dass in seinem Theater schon vor der Pandemie ein Theaterstück namens Projekt Pinocchio aufgeführt wurde, wobei 70% des Textes durch eine Textsoftware entstanden seien. Denn im Schubert-Theater habe man für einen Monat bewusst den Schwerpunkt auf die künstliche Intelligenz gesetzt, da man die neuen technischen Möglichkeiten zum Vorschein bringen wollte. Laut Meusburger sei aber auch anzumerken, dass niemand vorhabe, dass analoge Theater ganz von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

Bild erstellt mit Microsoft Bing Image Creator „Erstelle mir ein Bild von einem Stück von Arthur Schnitzler im modernen Stil, und der Dramatiker soll in der Mitte des Bildes sein“ Julia Schuster, 28.04.2024, 22:34h

KI in der Kreation und Inszenierung

Die Integration künstlicher Intelligenz in die Kreation und Inszenierung im Theaterbereich eröffnet einige Möglichkeiten. KI-Algorithmen können bei der Entwicklung von Drehbüchern und Charakterentwicklungen unterstützen, indem sie Muster analysieren und kreative Impulse liefern. Wie würde eine Neuinterpretation von „Die Verwandlung“ von Franz Kafka aussehen? Die Transformation von Gregor Samsa könnte durch angewandte Robotik und holografische Projektionen realisiert werden, wodurch das Publikum Zeuge einer eindringlichen und visuell beeindruckenden Verwandlung werden würde. Den Zuseher*innen würde die Gelegenheit geboten werden, die emotionale Tiefe und die psychologischen Aspekte der Geschichte auf einer neuen Ebene zu erleben. In der Inszenierung könnten KI-basierte Licht- und Soundeffekte eine immersive Atmosphäre kreieren. Die künstliche Intelligenz agiert nicht nur als Werkzeug für Künstler*innen, sondern bietet auch neue Alternativen, die Grenzen des Theaters zu erweitern und ein breiteres Publikum anzusprechen.

Ein weiteres Beispiel liefert Michael Katzlberger mit seinem Beitrag „21 Visionen für das 21. Jahrhundert – KI-Theaterstück“. In diesem kam die künstliche Intelligenz aktiv zum Einsatz. Sie wagten sich im Jahr 2021 an noch ziemlich neue Technologien, um ihre Aufführung damit zu bestücken. Beeindruckende Bilder entstanden für eine Szene, welche mit Religion in Verbindung gebracht werden kann, hierbei handelte es sich um „Image Transfer“, mit welchem geshootete Fotos verändert wurden. Für eine weitere Szene wurde ein sogenannter „Alterungseffekt“ eingesetzt, um eine Szene zu spielen, in welcher sich Enkelin und Großmutter unterhalten. Es kam sogar durch Machine Learning zu einem mit KI durchgeführten vorrübergehenden Geschlechtertausch.

Digitale Dramaturgie: KI und die Renaissance klassischer Theaterstücke

Zudem kann KI nicht nur in der Umsetzung, sondern auch in der Kreation von Theaterstücken genutzt werden. Zum einen bietet sich die Möglichkeit vollkommen neue Stücke mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu erschaffen und zum andern können Klassiker der Theaterkunst von Shakespeare, Schnitzler oder Nestroy auch auf diese Weise neu interpretiert und aktualisiert werden. Dies lässt sich beispielsweise schon im kleinen Rahmen bei Shakespeares Meisterwerk „Romeo und Julia“ und mithilfe eines kurzen Prompts bei ChatGPT3,5 ausprobieren. Der allgemein formulierte Auftrag/Prompt an die textbasierte Künstliche Intelligenz lautet „Schreibe eine Neuinterpretation von Shakespeares "Romeo und Julia", bei der die Handlung im Weltall in einer fernen Zukunft spielt.“. ChatGPT3.5 fasste das Stück daraufhin so zusammen:

Screenshot erstellt mit ChatGPT 3.5 „Schreibe eine Neuinterpretation von Shakespeares "Romeo und Julia", bei der die Handlung im Weltall in einer fernen Zukunft spielt.“ Melanie Nebenführ, 2.5.2024,13:22h

Die Grundidee von Shakespeares „Romeo und Julia“ wurde in dieser Version beibehalten und die Handlung in eine alternative, beziehungsweise futuristische, Realität eingebettet. Da diese Beschreibung allerdings nur einen sehr groben Überblick gibt, wurde ChatGPT3,5 der Auftrag erteilt, eine beliebige Beispielszene zu erstellen. Daraufhin erstellte das Programm eine detailliertere Beschreibung der bekannten Maskenball-Szene:

Screenshot erstellt mit ChatGPT 3.5 „Erstelle eine Beispielszene für diese Neuinterpretation von "Romeo und Julia".“ Melanie Nebenführ, 2.5.2024,13:30h

ChatGPT und vergleichbare Tools können, wie in diesem Abschnitt deutlich erkennbar ist, die Szene an die gegeben vorgaben anpassen und stimmig in die Handlung einfügen. Sowohl durch den Dialog als auch durch die Beschreibung des Settings werden die Änderungen und Anpassungen kommuniziert. Trotzdem ist die KI bei diesem Beispiel, zumindest was die Formulierung betrifft, nicht fehlerfrei. Für eine umsetzbare Inszenierung müsste der Text daher vermutlich noch einige Male überarbeitet werden.

Die Zukunft des Theaters

Die jüngsten Entwicklungen um Künstliche Intelligenz lassen vermuten, dass diese auch in Zukunft eine wichtige Rolle im alltäglichen Leben spielen wird. Vor allem die Arbeitswelt ist davon betroffen, was sich im Theater sowohl auf die Arbeitsweise der Autor:innen und Schauspieler:innen auswirken könnte, als auch auf das Schaffen der Kostümdesigner:innen, Maskenbildner:innen oder Regisseur:innen. Wie groß die Rolle der Künstlichen Intelligenz in Zukunft auch im Theater sein wird, ist noch nicht vorherzusehen, allerdings sehe Meusburger in den digitalen Innovationen eine Möglichkeit ein größeres und vor allem jüngeres Publikum zu erreichen. Das Burgtheater wird diese, in kleinerem Rahmen bereits antizipierte Variante der Dramaturgie, möglicherweise annehmen. Möglicherweise auch nicht.

Am Schluss eine Ausweisung, welche Punkte mit ChatGPT3,5 verfasst wurden, (und da auch eine Verlinkung) --> Überschriften waren ChatGPT3,5 („Schlage mir ein Textgerüst vor für einen Artikel über Theater und KI, konkretisiere dich dabei auf die Überschriften“) und auch beim Lead wurden Teile davon mit ChatGPT3,5 geschrieben („Schreibe einen kurzen Teaser zu dem Thema Shakespeare, Schnitzler und KI - die Zukunft des Theaters und integriere auch ein paar Theaterstücke als Beispiele, das ganze soll nicht länger als 300-350 Zeichen sein aber auch zum Lesen anregen. Bitte lasse Adjektive erst einmal weg.“) das Beispiel von Arthur Schnitzler von „die Verwandlung“ wurde ebenfalls mit ChatGPT3,5 verfasst („Wie würde eine Neuinterpretation von "Die Verwandlung" von Franz Kafka, von der KI geschrieben, im Burgtheater aussehen?“). Weiters wurde für die Neuinterpretation von „Romeo und Julia“ ChatGPT3,5 verwendet (Schreibe eine Neuinterpretation von Shakespeares "Romeo und Julia", bei der die Handlung im Weltall in einer fernen Zukunft spielt. Erstelle eine Beispielszene für diese Neuinterpretation von "Romeo und Julia".,02.05.2024,13:22h)

Über die Autorinnen

Melanie Nebenführ ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Fachsemester Medienmanagement an der FH St. Pölten. Sie geht gerne wandern und Rad fahren in der Natur.

Kontakt: melanie.nebenfuehr@chello.at

Julia Schuster ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Fachsemester Medienmanagement an der FH St. Pölten.

Am liebsten verbringt sie die Zeit in der Bibliothek und eignet sich neues Wissen an. Sie findet sehr viel Freude daran, eigene Texte zu verfassen und ist auch musikalisch seit über 10 Jahren mit dem Klavier vertraut.

Kontakt: juliaalexandra.schuster@gmx.at